Auf der jüngsten Kammerversammlung der Sächsischen Landesapothekerkammer (SLAK) in Chemnitz fand Kammerpräsident Göran Donner deutliche Worte zur Zerreißprobe, in der sich die Vor-Ort-Apotheken derzeit befinden. Im Spannungsfeld zwischen chronischer Unterfinanzierung, Fachkräftemangel und den kontroversen Plänen des Bundesgesundheitsministeriums im Rahmen des Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetzes (ApoVWG) forderte Donner eine ehrliche Debatte über die Zukunft pharmazeutischer Berufsbilder – und warnte eindringlich vor gesetzgeberischen Scheinlösungen auf Kosten des Personals.
Wirtschaftliches Fundament: Fixum-Anhebung auf 9,50 Euro als Basis für Tarifsteigerungen
Den Dreh- und Angelpunkt für die Zukunftsfähigkeit der Apotheken sieht der sächsische Kammerpräsident in einer schnellen Anhebung des Packungsfixums nach § 3 Arzneimittelpreisverordnung (AmPreisV) auf mindestens 9,50 Euro. Das reflexhafte Kassenargument leerer Kassen wies Donner mit Verweis auf die ärztliche Versorgung zurück: Während den Kassenärzten Honorarsteigerungen von 2,8 Prozent zugestanden und Hausärzte mit der Entbudgetierung ab Herbst 2025 um rund 400 Millionen Euro gestärkt werden, stagniert das apothekerliche Festhonorar seit über einem Jahrzehnt. Für die Beschäftigten – von der PKA über die PTA bis zur angestellten Approbierten – ist diese Blockade fatal: Denn ohne eine spürbare Nachbesserung des Fixums fehlt den Inhabern und dem Arbeitgeberverband ADA das finanzielle Fundament, um in den Tarifverhandlungen mit der Apothekengewerkschaft ADEXA spürbare Reallohnsteigerungen zu vereinbaren. Gleichzeitig mahnte Donner, dass die aktuelle Systematik der AmPreisV mittelfristig ohnehin auf dem Prüfstand stehe; die Apothekerschaft müsse sich inhaltlich fundiert auf alternative Vergütungsmodelle vorbereiten.
Stiefmütterlich behandelte PTA: Echte Aufwertung statt ordnungspolitischer Notnagel
Besondere Aufmerksamkeit widmete die Kammerversammlung der Situation der Pharmazeutisch-technischen Assistentinnen und Assistenten. Donner stellte klar: „Es besteht kein Zweifel, dass der Beruf PTA bislang stiefmütterlich behandelt wird.“ Eine Steigerung der Attraktivität sei überfällig. Allerdings erteilte der Kammerpräsident den Überlegungen im ApoVWG, PTA künftig als Vertretung in Filial- oder Zweigapotheken ohne physische Anwesenheit einer Approbierten agieren zu lassen, eine entschiedene Absage. Diese Pläne seien kein Instrument der Personalentwicklung, sondern ein gefährlicher Eingriff in das Gefüge des Apothekenrechts. Fällt die persönliche Leitungs- und Anwesenheitspflicht nach § 2 Abs. 2 ApoG in Verbindung mit der Apothekenbetriebsordnung (ApBetrO), so bröckelt laut Donner der „ordnungspolitische Schutzzaun“, der die inhabergeführte Apotheke vor einer reinen Deregulierung durch Ketten und Finanzinvestoren schützt.
Arbeitsrechtliche Realität: Haftungsrisiken und tarifliche Eingruppierung
Für angestellte PTA birgt die vom Gesetzgeber angedachte Vertretungsbefugnis erhebliche rechtliche und arbeitsvertragliche Fallstricke. Das Delegationsprinzip gemäß § 1a Abs. 3 ApBetrO sieht vor, dass PTA unter der Aufsicht und Verantwortung von Approbierten arbeiten. Würden PTA in Abwesenheit der pharmazeutischen Leitung eigenverantwortlich für die gesamte Betriebsführung, Betäubungsmittelkontrollen, Rezepturfreigaben und Notdienstabwicklungen geradestehen müssen, entstünde ein massives Übernahmeverschulden und persönliches Haftungsrisiko – bei unverändertem Ausbildungsstatus nach dem PTA-Berufsgesetz. Zudem fehlt für derartige Leitungsaufgaben bisher jegliche tarifliche Eingruppierung: Weder der Bundesrahmentarifvertrag (BRTV) noch der sächsische Tarifvertrag sehen Gehaltsstufen vor, die eine vollumfängliche Betriebsleitungsverantwortung von nicht-approbiertem Personal angemessen honorieren.
Forderung nach eigenen Konzepten: Konstruktive Qualifizierung statt Scheinautonomie
Donner richtete daher einen deutlichen Weckruf an den eigenen Berufsstand: Wer nur ein Fixum von 12 Euro fordere und ansonsten auf dem Status quo beharre, liefere der Gesundheitspolitik eine Steilvorlage, Schmalspur-Apotheken ohne Apotheker durchzusetzen. Nötig seien stattdessen qualitätsgesicherte, echte Fort- und Weiterbildungsmodelle für PTA – etwa im Rahmen erweiterter pharmazeutischer Dienstleistungen (pDL), digitaler Medikationsanalysen oder spezialisierter Rezepturkompetenzen –, die mit transparenten Gehaltszuschlägen und klar umrissenen Befugnissen hinterlegt sind. Für die Apothekenteams bedeutet das Signal aus Sachsen: Der Berufsstand wehrt sich gegen eine Verwässerung des Approbierten-Vorbehalts, anerkennt jedoch gleichzeitig, dass PTA in der täglichen Praxis mehr Perspektiven, Entlastung und monetäre Wertschätzung benötigen.
