Praxis & Notdienst

Nachwuchserfolg durch Schülerpraktika: Wie Teams PTA-Talente frühzeitig begeistern

🗓️ 04. Oktober 2026 ✍️ Redaktion Apothekenstimme 📌 Quelle: Apotheke Adhoc
Nachwuchserfolg durch Schülerpraktika: Wie Teams PTA-Talente frühzeitig begeistern

Drei Schülerinnen entscheiden sich nach einem Schnupperpraktikum für die PTA-Ausbildung: Ein Praxisbeispiel beweist das Potenzial gezielter Nachwuchsgewinnung gegen den Fachkräftemangel.

Gezielte Berufsorientierung bricht die Nachwuchsflaute

Während viele Vor-Ort-Apotheken händeringend nach qualifizierten Fachkräften suchen und Berufsfachschulen über rückläufige Anmeldezahlen klagen, zeigt ein aktueller Praxisfall aus dem Apothekenalltag, wie effektive Nachwuchsförderung an der Basis funktioniert: Innerhalb kurzer Zeit hat sich bereits die dritte Schülerin nach einem absolvierten Schulpraktikum dazu entschlossen, die zweieinhalbjährige Ausbildung zur Pharmazeutisch-technischen Assistentin (PTA) aufzunehmen. Dieser Erfolg verdeutlicht, dass das persönliche Erleben des abwechslungsreichen Arbeitsalltags oft wirkungsvoller ist als jede übergeordnete Imagekampagne der Standesvertretungen.

Vom Schnuppern zur fundierten Berufswahl: Was Schülerinnen überzeugt

Der direkte Einblick in das Berufsfeld baut Schwellenängste ab und korrigiert veraltete Rollenbilder. Schulpraktikantinnen erleben im Team, dass der PTA-Beruf weit über das Bereitstellen von Fertigarzneimitteln hinausgeht. Entscheidend für den Entschluss zur Berufsausbildung sind konkrete Praxiseindrücke, die Schülerinnen selbst mitgestalten dürfen:

  • Labor und Rezeptur: Das Ansetzen von Cremes, Lösungen und Kapseln unter Aufsicht nach § 6 ApBetrO vermittelt das handwerkliche Fundament pharmazeutischer Naturwissenschaften.
  • Prüfung von Ausgangsstoffen: Die chemische und physikalische Identitätsprüfung mittels Arzneibuchmethoden weckt naturwissenschaftliches Interesse bei naturwissenschaftlich begabten Jugendlichen.
  • Kundenkommunikation auf Augenhöhe: Das Beobachten qualifizierter Beratungsgespräche zeigt den hohen sozialen und präventiven Stellenwert der öffentlichen Apotheke im Gesundheitssystem.

Rahmenbedingungen der PTA-Ausbildung im Wandel

Seit Inkrafttreten des PTA-Berufsreformgesetzes (PTA-APrV) im Januar 2023 hat sich das Berufsbild spürbar modernisiert. Die Ausbildung gliedert sich in zwei Jahre schulische Ausbildung an einer anerkannten Lehranstalt sowie das anschließende sechsmonatige Apothekenpraktikum. Ein zentraler Hemmschuh früherer Jahre – das Schuldgeld an privaten PTA-Schulen – ist in fast allen Bundesländern durch staatliche Refinanzierungen abgeschafft worden. Für das finale Halbjahr in der Vor-Ort-Apotheke regelt der Gehaltstarifvertrag zwischen ADEXA und dem Arbeitgeberverband Deutscher Apotheken (ADA) eine verbindliche monatliche Ausbildungsvergütung von aktuell 808 Euro brutto (im Tarifgebiet Nordrhein abweichend nach TGL-Tarif). Diese finanzielle Absicherung muss Schülern bereits im ersten Orientierungspraktikum transparent vermittelt werden.

Praxisanleitung erfordert Struktur und Entlastung im Dienstplan

Der Erfolg dreier rekrutierter Schülerinnen in einer Betriebsstätte unterstreicht jedoch auch eine organisatorische Notwendigkeit: Gelungene Nachwuchsgewinnung fällt nicht nebenbei vom Himmel, sondern verlangt dedizierte personelle Ressourcen. Schülerpraktika dürfen nicht als reine Botendienst-Einsätze oder Aushilfen im Warenlager missbraucht werden. Filialleitungen und Inhaber müssen approbiertem Personal und erfahrenen PTA die nötigen Zeitfenster für fachliche Erklärungen und Sicherheitsunterweisungen nach dem Jugendarbeitsschutzgesetz (JArbSchG) einräumen. Nur wenn Teams Auszubildende wertschätzend anleiten und die eigene Berufsbegeisterung vorleben, wird das Schulpraktikum zum nachhaltigen Hebel gegen die Personalkrise.