Die öffentliche Apotheke steht unter historischem Druck: Lieferengpässe, Fachkräftemangel und gesundheitspolitische Kürzungsdebatten fordern das pharmazeutische Personal täglich heraus. Umso wichtiger wird die gewerkschaftliche Vertretung durch ADEXA – Die Apothekengewerkschaft. In unserer aktuellen Podcast-Episode von Apothekenstimme.de gibt ein engagiertes Teammitglied Einblicke in persönliche Beweggründe, konkrete Forderungen und neue Strategien für anstehende Tarifrunden.
Der Impuls am HV: Warum das Engagement genau jetzt notwendig ist
Die Entscheidung, aktiv für Beirat oder Vorstand von ADEXA zu kandidieren, fiel nicht am Schreibtisch, sondern direkt im turbulenten Apothekenalltag. Es war ein scheinbar gewöhnlicher Spätdienst, geprägt von zahllosen Rücksprachen wegen Defektlisten, einer überlasteten Rezeptur und einer gleichzeitig dünnen Personaldecke. In diesem Moment wurde unmissverständlich klar: Durchhalten allein verändert die strukturellen Rahmenbedingungen vor Ort nicht.
Gerade jetzt, während das Bundesgesundheitsministerium über Strukturreformen wie die „Apotheke ohne Approbierte“ debattiert, braucht es eine unüberhörbare Stimme aus der Praxis. Wer tagtäglich im Handverkauf steht, Notdienste leistet und Qualitätsstandards hochhält, muss die Verhandlungstische der Berufspolitik mitgestalten. Schweigen gefährdet nicht nur die Versorgungsqualität, sondern auch die Attraktivität des gesamten Berufsstandes.
„Gewerkschaftsarbeit ist kein Selbstzweck, sondern gelebte Selbstachtung für unseren Berufsstand. Wer zuschaut, überlässt anderen die Entscheidung über die eigene Zukunft.“
Gehalt, Zeit oder Respekt: Wo es in den Apothekenteams brennt
Viele Kolleginnen und Kollegen – ob PTA, PKA oder angestellte Approbierte – zögern noch immer, ADEXA beizutreten. Häufig dominieren tradierte Vorbehalte oder die Sorge, das oft familiäre Verhältnis zur Apothekenleitung zu belasten. Dabei ist ein hoher Organisationsgrad die einzig wirksame Grundlage, um gegenüber dem Arbeitgeberverband Deutscher Apotheken (ADA) sowie der Tarifgemeinschaft der Apothekenleiter (TGL) spürbare Verbesserungen durchzusetzen.
Im Teamgefüge brennt es derzeit an mehreren Fronten gleichzeitig, doch die Prioritäten sind eng miteinander verzahnt:
- Reallohnverluste stoppen: Während die Inflation die Lebenshaltungskosten treibt, hinken die Apothekentarife anderen Branchen und dem TVöD hinterher. Fachkräfte wandern in Industrie oder Krankenkassen ab.
- Arbeitszeit und Entlastung: Ausufernde Bürokratie, Notdienstbelastung und fehlende Vertretungsregelungen führen zu chronischer Erschöpfung. Verbindliche Arbeitszeitkonten müssen gelebt werden.
- Echte gesellschaftliche Wertschätzung: Klatschen reicht nicht aus; pharmazeutische Fachkompetenz muss sich sowohl finanziell als auch in verlässlichen Personalschlüsseln widerspiegeln.
Strategiewechsel bei Tarifverhandlungen und Nachwuchsgewinnung
Um dem akuten Fachkräftemangel nachhaltig zu begegnen, greift der bloße Ruf nach Imagekampagnen zu kurz. Junge Menschen entscheiden sich für Berufe, die faire Vergütungsmodelle, planbare Freizeit und transparente Aufstiegschancen bieten. Ausbildungsvergütungen für PKA und PTA müssen spürbar steigen, um den Einstieg in pharmazeutische Berufsfelder attraktiv zu machen.
Für kommende Tarifrunden bedarf es eines strategischen Paradigmenwechsels. Neben linearen Gehaltsanpassungen müssen flexible Arbeitszeitmodelle, Entlastungsbudgets für Fortbildungen sowie eine angemessene Vergütung digitaler Prozesse und pharmazeutischer Dienstleistungen zentral verhandelt werden. Transparente Kommunikation direkt aus den Verhandlungskommissionen soll die Basis aktiver einbinden und den Rückhalt stärken.
Erste Priorität nach der Wahl: Basisnähe und Mitgliederbindung
Als persönliche Stärke bringt die kandidierende Persönlichkeit eine enge Vernetzung an der Basis, diplomatisches Verhandlungsgeschick und den unverstellten Blick aus dem Apothekenalltag mit. Nach einem erfolgreichen Votum steht ein erstes konkretes Projekt bereits fest: die Etablierung eines niederschwelligen digitalen Dialogformats für Angestellte, um Feedback zu Tarifverträgen und Arbeitszeitmodellen ohne bürokratische Hürden direkt in die Gremienarbeit einzuspeisen.
Die Stimmabgabe bei den anstehenden Gremienwahlen ist ein klares Votum für Erneuerung, Verhandlungsstärke und den nachhaltigen Schutz der Vor-Ort-Apotheke durch faire, zukunftssichere Arbeitsbedingungen.
